21/06/2018

They are sticky, perhaps you can say magnetic : Über Sammlungen und andere Verbindungen in der Dichotomie der Gemeinschaft-Gesellschaft


Jette Gejl (DK),  Michelle Atherton (UK) & TC McCormack (UK)

Jette Gejl, Michelle Atherton und TC McCormack im open house dorftV Studio Gespräch

Wir leben in unbeständigen Zeiten; die gesellschaftliche Ordnung zeigt ihre Unordnung, die traditionelle Kategorien des Wissens und Konzepte der Geschichte haften nicht mehr. Auf der Suche nach Neuanfängen hofften wir auf das Versprechen neuer Modelle vom Zusammenschluss, gesellschaftlicher Anordnungen, die unseren Idealen, Sehnsüchten und Weltanschauungen ansprechen.

Diese Ausstellung ist als Ausgrabungsstelle konzipiert, eine Inszenierung, um öffentliche und private Sammlungen in welcher Form auch immer – ob tierisch, mineralisch, technologisch, mythologisch oder auch nicht – neu zu bewerten. Zum künstlerischen Ziel gehört das Auffinden jener Orte, wo zukünftige Möglichkeiten in der Gegenwart gefasst werden könnten, indem Gegenstände, Abläufe und Handlungen aus der Vergangenheit gesichtet und umrahmt werden. Gesellschaftliche Formulierungen und deren Zwängen werden verwendet und missbraucht, um physische Materialien neu zu ordnen und kritische Zusammenhänge neu zu formulieren.

Jette Gejl (DK) präsentiert eine Erkundung, welche die Gesamtheit der Farbe Beige kartografiert, die vor Ort weiter geführt wird. Die Methoden umfassen u.a. Testamonial, Text- und Materialanalyse, sowie eine Kochschule und performative Vorträge. Durch die Suche nach dem ultimativen Beige versucht Gejl, durch demokratische Prozesse einen feineren und ursprünglicheren Ton von Beige zu finden, im Unterschied zur internationalen Definition: RAL 1001 (RAL ist das bekannteste und am meisten verbreitete Farbabstimmungssystem in Europa, womit Farben für Malen, Abdeckungen und Kunststoffe definiert werden).

Michelle Atherton (GB) richtet Aufmerksamkeit auf das Irrationale und setzt sich mit jenen Handlungen, Denkweisen und Verhaltensweisen auseinander, die im Vergleich mit vernünftigeren Alternativen unlogisch erscheinen könnten. In RIG’s, die Repository of Irrational Gesture’s in der Form einer PowerPoint-Präsentation, versammelt sie eine Reihe an irrationalen Gesten aus Mythen, Insektengeräusche, Filmstills, neo-feudalen Strukturen, avantgardistischen Verweisen, magischer Bewegung, Liedtexte und weiteren globalen Ergüssen. Dieses irrationale Inventar ist eine kollektive Unternehmung, die Beiträge von Künstler_innen, Akademiker_innen und einer/einem Insektenforscher_in versammelt. So beginnt die irrationale Sammlung.
TC McCormack (GB) überlegt, wie unsere von Menschen gemachte Strukturen in und außerhalb der Zeit existieren, und wie der Verlauf der Geschichte unseren Begriff vom Wert und sogar auch von Sammlungen kontinuierlich neu bewertet. In seinen zeitbasierten Installationen ermöglichen sequenzielle Formulierungen, dass verschiedene Szenen zwischen und über eine monitorbasierte Assemblage und eine große Projektion sich bewegen. Dadurch wird wiederum ein Dialog mit einem großen Druck und einem Begleittext ausgelöst. Diese Werke bieten sich entfaltende Verwerfungshandlungen. Indem sie sich jede zeitliche Bahn widersetzen, scheinen sie sich in und außerhalb der Zeit zu bewegen.

1. 1887 identifizierte der Soziologe Ferdinand Tonnies zwei analytische Konzepte in den ausgeprägten Formen gegensätzlicher sozialen Organisationen, Gesellschaft (der verlorenen Unschuld, organisch, gegenseitig) und Gemeinschaft (moderner, atomisiert, individualistisch). Diese historische Rahmen stellen einen verhängnisvollen Übergang sowie eine generative Maßnahme dar.

Werke der Künstler_innen:

Jette Gejl Beige Obsessions – The Beige Collection, Therapeutic Station, Workshop: Finding the ultimate beige colour. 2018

Michelle Atherton Repository of Irrational Gestures (RIGs) – Video loop 11 mins, 2018
Pathetic Sculpture Digital print 235x 100 cm, 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TC McCormack The Pacific has no memory – Video diptych with soft sculpture 2018
all our ships are at sea – C-Print on light box with an accompanying text 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eröffnung: Donnerstag, 28. Juni 2018, 19.30 Uhr
ab 20.00 Uhr: Finding Ultimate Beige

Dauer der Ausstellung: 29.Juni – 31.Juli 2018, Öffnungszeiten: Di- Fr, 14.00 bis 18.00 Uhr

Friday 29 June _ Live at KunstRaum
A 13-hour event hosted by the artist’s Jette Gejl, TC McCormack & Michelle Atherton.

Programme includes:
 12.00 Lunch with invited guests & public.
 13.00 Welcome by artists
 13.30 Discussion on KunstRaum’s Intangible Collection read through the frames of Gemeinschaft – Gesellschaft with invited guests & open public.
 Beige Break
 15.00 1st Intro & film screening: Roy Andersson A Pigeon Sat on Branch Reflecting on Existence 2014
 17.00 Musical Interlude with Beige Cocktails
 17.30 Performance with Beige food
 19.00 2nd Intro & Film screening: Powell and Pressburger A Canterbury Tale 1944
 21.30 Finale They are sticky: including participants offer suggestions towards the Intangible Collection e.g. film clips, songs, processes, sayings etc., etc.
 22.00 Progressive Magnetisms – with Drinks

This event is part of the exhibition:
They are sticky, perhaps you can say magnetic: Über Sammlungen und andere Verbindungen in der Dichotomie der Gemeinschaft-Gesellschaft1 (on collections and other connections in the Gemeinschaft-Gesellschaft dichotomy).

BEIGE OBESSIONS _ JETTE GEJL 

„Beeinflusst wurde mein künstlerisches Engagement von mehreren Genres und über Jahrhunderten hinweg. Angefangen mit der Landschaftsmalerei in den 1880er Jahren über Streifenmalerei in den USA der 1960er Jahren und Design Sculpture, die ich mit antimodernistische Verweise auf Readymade- und Appropriation-Traditionen untergrabe, über textile Kunst unter Verwendung der femi-kommunistische Muster- und Verzierungsbewegung, bis hin zur Genre der Körperkunst mit einer ausgedehnten Kreuzung mit den seltsamen Psychotherapiesessionen von Lygia Clark. Ebenfalls zu meinen Prozessen gehören Zusammenarbeit mit Kolleg_innen, mit dem Publikum oder besondere Fachkompetenzen.

Kulturerbe bildet mein Ausgangsmaterial. Der Ausgangspunkt ist oft meine eigene Geschichte und Zeit, da ich als privilegierte weiße Feministin in den 1960er ans 70er Jahren im Agrarland Dänemark aufgewachsen bin. Mit einer durchgängigen absurden Hypersensibilität für Detail, erzähle ich von gewonnenen Erfahrungen. Erfahrungen und Erinnerungen, die ich selbst und meine Teilnehmer_innen an den Projekten durchgemacht haben, um einen anderen Zugang zum Storytelling zu bestimmen, als Gegendruck gegen die übliche Bühne unserer Kunst- und Kulturgeschichte. Jede Kultur braucht Zeit, um das von ihr benötigte Erbe zu konstruieren, das durch aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse und Anforderungen definiert wird. Spuren werden in diesem Prozess unweigerlich zurückbleiben, die eine Ausrichtung für die Zukunft darstellen, um eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herzustellen. Trotz jahrzehntelange technologische Entwicklungen und eine individualisierte Spezialisierung der/des einzelnen Bürger_in in der Gesellschaft, stehen wir heute vor einer Erzählung unserer Zeit, sowohl mangelhaft wie auch undifferenziert. Mit meiner Kunst will ich die Strukturen des Kulturerbe sowie dessen Einschreibung umgestalten. Statt dessen will ich neue Zusammenhänge und eine visuell-ästhetische Synthese der Erzählung unserer Zeit schaffen. Die Erzählung von der Last der weißen Frau!!

Mit den Arbeiten ‘Obsessionen’ unternehme ich eine totale Kartografierung der Farbe Beige, indem ich an die Farbe Beige mit einer unhörbaren Menge an Details sämtlicher ästhetischen und soziokulturellen Systemen, in denen diese Farbe eingeschrieben ist, heranzoome.

Mit dem Projekt ‚Auf der Suche nach dem ultimativen Beige‘ versuche ich durch demokratischen Prozessen, einen feineren und ursprünglicheren Ton von Beige zu finden, im Unterschied zur internationalen Definition: RAL 1001; das Publikum bietet eine ganz eigene Sichtweise auf diese Farbe in einem Malworkshop. Nachdem die je persönliche Farbe Beige gefunden wird, stimmt das Publikum über das am Beigesten ab. Am Ende jeder Ausstellung wird die Publikumsabstimmung über die Farbe Beige zusammengefasst und in eine Wandteppich übersetzt, die in genau jene 10 Farbtönen mit den meisten Stimmen gefärbt wird.

In der Session ‚Beige Therapie‘ versetze ich die Teilnehmer_innen in einen beige-meditativen, Trance-ähnlichen Zustand, während diverse beige Gegenstände auf sie einwirken, um auf den jeweils richtigen Beigenton für die Einzelnen zu fokussieren.

 

Mit ‚Beige Sammlung‘ sammle ich mit Hilfe der Menschen vor Art und durch Werbung beige Gegenstände. Mit den Besitzer_innen der Gegenstände führe ich Interviews über ihre Beziehung mit dem Gegenstand und zur Farbe Beige. Die Interviews werden aufgenommen und editiert, um Podcast, Video und Text zu gestalten, die gemeinsam mit dem Gegenstand ausgestellt werden.

In der ‘Beigen Kunstschule’ malt das Publikum Stillleben, um die eigene Sinneswahrnehmung mit eigenwilligen Übersetzungen der Eindrücken der Farbe Beige von den vielen ausgestellten Gegenständen zu öffnen. Die Werke werden in der Ausstellung als Dokumentation der Gegenstände integriert, bevor diese Gegenstände in ‘Beige Grit’ [‘Beige Streumittel’] eingefangen werden.

‚Beige Grit‘ [‘Beige Streumittel’] ist ein aus beigen Schnüren bestehendes Neuwerk, das von der Decke hängt. Daran binde ich die verschiedenen Gegenstände, um einen vereinheitlichenden Rahmen herzustellen, der den Gegenständen ihrer Verwendung entzieht und sie gleichzeitig in Begriffen fasst, die sie in ein Spiel mit Vergleichen mit anderen Gegenständen versetzt.

Mit ’Beige Essen und Trinke’ schaffe ich eine experimentelle Kochschule, wo Teilnehmer_innen Gerichte und Getränke mit den Geschmäckern und den Farbtönen von Beige entwickeln können.“ (Jette Gejl)

 

Dauer der Ausstellung: 29. Juni – 31. Juli 2018, Öffnungszeiten: Di- Fr, 14.00 bis 18.00 Uhr

  1. KunstRaum Goethestrasse xtd, Goethestraße 30, 4020 Linz

 

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