10/04/2017

Norbert W Hinterberger Sein oder Nichtsein?


Norbert W. Hinterberger ist Künstler, Lehrender und Forschender visueller Formen, der sich zentral mit den Fragen nach der Einzigartigkeit unseres Planeten und der daraus resultierenden menschlichen Existenz auseinandersetzt. Sein Hunger nach Bildern gibt sich allerdings nie mit wissenschaftlichen Fakten und theoretischen Abhandlungen zufrieden, sondern sucht nach adäquaten visuellen Formen, oftmals versetzt mit ironischer Wissenskritik.

Die Ausstellung im KunstRaum Goethestrasse xtd zeigt die Resultate dieser Forschung, ergänzt durch private biographische Exponate, die ein weiteres Licht auf das Sein werfen.

Die Arbeiten Norbert W Hinterbergers lassen sich nicht an einem Material festmachen. „Es gibt nichts, was man nicht verwenden kann, aber Material und Form werden immer vom Thema vorgegeben.“  Hier werden  Lasagneblatt, Steuerbescheide, Baupläne, Tierschädel  und  selbstgeschöpftes Papier zum Trägermaterial seiner Malerei und Zeichnungen.  Auszüge aus seinen Künstlerbüchern, Architekturmodelle,  Fotografien realisierter Installationen und Ausstellungen, wie Videos, in Summe mehr als 100 Exponate,  umfassen die Auseinandersetzung zu  „Sein oder NichtSein?“

Die Arbeiten, die zwischen 1982 und 2017 entstanden sind, werden auf beiden Ebenen des KunstRaum präsentiert.

Die künstlerischen Arbeiten im Obergeschoß sind in den Zyklen und Reihen „Allein im Universum“, „Der Zoo“, „Der Aufrechte Gang“ und „Die Geburt der Tragödie“ geordnet, die den Blick des Künstler auf die Menschheitsgeschichte,  die menschlichen Existenz in seinen biologischen und kulturellen Erscheinungsformen, Brüchen und Konsequenzen zeigt.

Gerade auch in der Titelgebung und den Bildbeschreibungen z.B. „Erlesene Orte“ spiegeln sich die vielen verschiedenen Quellen der Auseinandersetzung des Künstlers und sein Vermittlungsinteresse für die BetrachterInnen wider.

Erstmals zeigt Norbert W Hinterberger in sechs Biographie-Vitrinen biografische Erinnerungsstücke mit handschriftlichen Erklärungen, in denen u.a- sein eigener Linzbezug – die Kindheit und seine Arbeit an der Kunstuniversität Linz – deutlich gemacht und zudem mit globalen Ereignissen verknüpft werden.

Die Installation am  Schaufenster „Der Weisheit letzter Schluss ( Was ich nicht mehr und noch nicht brauche)“ (2015/2016/2017)  „belegt des Künstlers biographische Tatsache, dass im Hinblick auf dahinschwindende Jahre die Vergangenheit als Reservoir an Erlebnissen in den Vordergrund tritt. Erlebnisse, die auf bereits Erlebtes aufbauen – ob bewusst oder unbewusst – und den Fortgang der subjektiven Vernunft begleiten sollten. Nicht der Erfolg und oftmaliges Scheitern dieses Prozederes stehen im Mittelpunkt, sondern Lebensumstände und Zivilisierungsmaßnahmen, welche den Menschen, „aus seiner selbstverschuldeten? Unmündigkeit“ befreien und zur Vernunft geleiten möchte – erklärtes Ziel aller Erziehungsstrategien und philosophischer Systeme. Die Liste an Dingen, die man nicht mehr und alternativ noch nicht braucht, belegt und hinterfragt diese Fakten und spiegelt simultan in der Person des Künstlers seine Domestizierung und derzeitigen biologischen und psychologischen Status wider.

So werden Windeln nicht mehr und noch nicht gebraucht, die Mutterbrust wird wohl vom Pflegepersonal abgelöst werden und kindliche Naivität der Demenz weichen.“

Im Untergeschoß des KunstRaum Goethestrasse xtd  ist die Dokumentation aller kontextbezogenen Arbeiten seit 1982 zu sehen.

Norbert W. Hinterberger gibt dabei einen Einblick in sein umfassendes Schaffen – sowohl in Ausstellungsräumen als auch im öffentlichen Raum. Installationen und Interventionen, Aktionen, Architekturarbeiten wie Kunst am Bau Projekte sind als Fotografien präsentiert.

Zudem sind zwei aktuelle Videos von Ausstellungen in der ACC Galerie Weimar, 2016 und im Städtischen Museum Zittau, 2016 wie ein Videobeitrag zur Ausstellung im Landesmuseum Linz „Das Schöpfungsprogramm“, 2003 zu sehen.

Die Ausstellung „Sein oder Nichtsein?“ von Norbert W Hinterberger ist ein Teil  der Jahrestätigkeit des KunstRaum Goethestrasse xtd zum Thema „Die Kraft der Unterschiede. Manchmal sind Tubulenzen so heftig, dass Dinge durch die Luft fliegen!“

In der Auswahl dieser umfassenden Einzelausstellung von Norbert W. Hinterberger wird auch der Bezug des Künstlers zu Linz sichtbar gemacht. Es freut uns ungemein, diese Arbeiten im neugestalteten Ausstellungsraum zu zeigen und diesen damit zu eröffnen.

Dauer der Ausstellung: 19. April – 19. Mai 2017

Künstlerführung: Freitag, 19. Mai, 14.00 Uhr

Finissage: Freitag, 19. Mai, 19.00 Uhr  mit Live Musik von Norbert W Hinterberger & friends

 

Zur Person

Norbert W Hinterberger, geboren 1949 in Oberösterreich, lebt in Berlin.

Studium an der Akademie der Bildenden Künste (Malerei & BE) und an der Universität Wien (Philosophie, Psychologie). 1979-93 Assistent an Kunstuniversität Linz.

1993 Gastprofessor in Rio de Janeiro und 1998 in Newcastle/Australien.

1993-2015 Professor für Freie Kunst an der Bauhausuniversität Weimar.
Ausstellungen an Museen und Kulturinstituten in Berlin, München, Köln, Dresden, Leipzig, Kassel, Essen, Augsburg, Osnabrück, Erfurt, Weimar, Gotha, Gera, Zittau, Wien, Graz, Linz, Villach, Freistadt,  Gmunden, Grein, Pilsen, Zagreb, Rom, Neapel, Modena, Vicenza, Zürich, Basel, Amsterdam, Utrecht, Stockholm, Dublin, Valencia, Vilnius, Kaunas, Moskau, Ramle & Ofakim/Israel, Perth, Negombo, Rio de Janeiro und Sao Paulo.

 

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