08/04/2021

Die Dimensionen des Machens der Dinge. Ein Beitrag von Victoria Windtner


In einer Dinge-Ausstellung und Publikation über den KunstRaum Goethestrasse xtd zeigen Susanne Blaimschein und Beate Rathmayr wie kollektive Prozesse in der Kunst- und Kulturproduktion aussehen können.

Was erzählt eine Banane, wenn man sie nach ihrer Kindheit fragt? In der Gestaltungsphase des Projekts „Dinge, die wir jetzt machen können“ richtet eine Beteiligte diese Frage direkt an ein Stück Obst. „Es geht um Dinge aus dem Alltag, die Auseinandersetzung mit dem was da ist“, erklärt Beate Rathmayr, Künstlerin und Ausstellungsorganisatorin des KunstRaum Goethestrasse xtd.

Produktive Partizipation im Lockdown
„Wir möchten die Menschen in den Prozess des Gestaltens bringen“, betont KunstRaum Leiterin Susanne Blaimschein. Dazu erhielten Menschen, die der Einladung zum Produktionsprozess folgten, Handlungsanweisungen, Fragestellungen und eine Wundertüte mit Dingen. Diese sollten zum Dinge-Machen inspirieren und auch ein wenig irritieren. „Dinge, die wir jetzt machen können“ lädt in den gegenwärtigen Moment ein, macht bewusst was uns umgibt und appelliert an unsere Handlungsfähigkeit, während die Möglichkeiten aufgrund einer Pandemie eingeschränkt sind. „Wir wollten den Menschen etwas nach Hause schicken“, erinnert sich Blaimschein an den ersten Lockdown 2020. Der KunstRaum startete damals eine Blumenbastelaktion und versendete Blumenbastelpakete an insgesamt 250 Teilnehmer*innen. Das Sammeln von Dingen und die dabei mittransportierten „Spuren der Menschlichkeit“, rückten im Herbst 2020 in den Fokus. In Kooperation mit der Kunstvermittlung des Lentos Linz entstand die POP-UP Ausstellung „MACHEN WIR UNSER DING!“.

KunstRaum als Interface
Seit 2008 bietet der Verein pro mente OÖ mit dem KunstRaum Goethestrasse xtd eine Schnitt- und Verbindungsstelle zwischen Kunst und Sozialem. 300 Quadratmeter Raum für Ausstellungen, Produktionen und Begegnungen. Das Tätigkeitsfeld ist so vielfältig, wie die Menschen, die sich daran beteiligen: Von Gestaltungen, Workshops, über Vorträge bis hin zu öffentlichen Kampagnen. 40 verschiedene Projekte sind für 2021 geplant, das Jahresthema lautet: „Im Innen bin ich, nicht im Außen“.

Dokumentiertes Schaffen
Mit der Publikation „Wir Können Da Was Machen“ gibt der KunstRaum Goethestrasse xtd nun Einblicke in die Dimensionen des eigenen Schaffens. Im Auftrag der Linz AG Linien und der Friedensstadt Linz wurde 2016-2017 beispielsweise die gut sichtbare Kunst- und Victoria Windtner, OÖ Kulturbericht 04/21
Kommunikationskampagne „City of Respect“ umgesetzt. Busse, Straßenbahnen und Plakatflächen transportierten Botschaften im Linzer Stadtraum. Der Katalog zeigt aber vor allem weniger Sichtbares, wie Kunst am Bau Projekte, Performances und Realisierungen an anderen Orten.

Der Gestalter Gerald Priewasser-Höller verwendet einige Kataloge als Material und verbindet sie zur Installation „QVERLESEN – Wir können da was machen“. Priewasser-Höller verweist auf „die Wichtigkeit des Zusammenhalts und des Diffundierens in die Gesellschaft“. Es materialisiert sich wofür der KunstRaum steht: Netze und Verbindungen knüpfen zwischen Kunst und Sozialem, vom Einzelnen zum Gemeinsamen.

In der Ausstellung „Dinge die wir jetzt machen können“ treffen alle Dinge zusammen, die von Mitwirkenden während des letzten Lockdowns gestaltet wurden. Zwei große Schauraumfenster in der Goethestrasse 30 laden zur pandemiekonformen Betrachtung im Vorbeigehen ein. „Der Schauraum wird voller Dinge sein“.

Dieser Artikel ist in abgeänderter Form im Kulturbericht des Landes Oberösterreich 04/21 erschienen.

Victoria Windtner
www.victoriawindtner.at @vicawind

NEUIGKEITEN

WEITERLESEN

WER WIR SIND

RAUSFINDEN

WAS WIR TUN

ERKUNDEN