21/06/2018

Obsessions – Searching for ultimate Beige _ Jette Gejl


„Beeinflusst wurde mein künstlerisches Engagement von mehreren Genres und über Jahrhunderten hinweg. Angefangen mit der Landschaftsmalerei in den 1880er Jahren über Streifenmalerei in den USA der 1960er Jahren und Design Sculpture, die ich mit antimodernistische Verweise auf Readymade- und Appropriation-Traditionen untergrabe, über textile Kunst unter Verwendung der femi-kommunistische Muster- und Verzierungsbewegung, bis hin zur Genre der Körperkunst mit einer ausgedehnten Kreuzung mit den seltsamen Psychotherapiesessionen von Lygia Clark. Ebenfalls zu meinen Prozessen gehören Zusammenarbeit mit Kolleg_innen, mit dem Publikum oder besondere Fachkompetenzen.

Kulturerbe bildet mein Ausgangsmaterial. Der Ausgangspunkt ist oft meine eigene Geschichte und Zeit, da ich als privilegierte weiße Feministin in den 1960er ans 70er Jahren im Agrarland Dänemark aufgewachsen bin. Mit einer durchgängigen absurden Hypersensibilität für Detail, erzähle ich von gewonnenen Erfahrungen. Erfahrungen und Erinnerungen, die ich selbst und meine Teilnehmer_innen an den Projekten durchgemacht haben, um einen anderen Zugang zum Storytelling zu bestimmen, als Gegendruck gegen die übliche Bühne unserer Kunst- und Kulturgeschichte. Jede Kultur braucht Zeit, um das von ihr benötigte Erbe zu konstruieren, das durch aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse und Anforderungen definiert wird. Spuren werden in diesem Prozess unweigerlich zurückbleiben, die eine Ausrichtung für die Zukunft darstellen, um eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herzustellen. Trotz jahrzehntelange technologische Entwicklungen und eine individualisierte Spezialisierung der/des einzelnen Bürger_in in der Gesellschaft, stehen wir heute vor einer Erzählung unserer Zeit, sowohl mangelhaft wie auch undifferenziert. Mit meiner Kunst will ich die Strukturen des Kulturerbe sowie dessen Einschreibung umgestalten. Statt dessen will ich neue Zusammenhänge und eine visuell-ästhetische Synthese der Erzählung unserer Zeit schaffen. Die Erzählung von der Last der weißen Frau!!

Mit den Arbeiten ‘Obsessionen’ unternehme ich eine totale Kartografierung der Farbe Beige, indem ich an die Farbe Beige mit einer unhörbaren Menge an Details sämtlicher ästhetischen und soziokulturellen Systemen, in denen diese Farbe eingeschrieben ist, heranzoome.

Mit dem Projekt ‚Auf der Suche nach dem ultimativen Beige‘ versuche ich durch demokratischen Prozessen, einen feineren und ursprünglicheren Ton von Beige zu finden, im Unterschied zur internationalen Definition: RAL 1001; das Publikum bietet eine ganz eigene Sichtweise auf diese Farbe in einem Malworkshop. Nachdem die je persönliche Farbe Beige gefunden wird, stimmt das Publikum über das am Beigesten ab. Am Ende jeder Ausstellung wird die Publikumsabstimmung über die Farbe Beige zusammengefasst und in eine Wandteppich übersetzt, die in genau jene 10 Farbtönen mit den meisten Stimmen gefärbt wird.

 

In der Session ‚Beige Therapie‘ versetze ich die Teilnehmer_innen in einen beige-meditativen, Trance-ähnlichen Zustand, während diverse beige Gegenstände auf sie einwirken, um auf den jeweils richtigen Beigenton für die Einzelnen zu fokussieren.

Mit ‚Beige Sammlung‘ sammle ich mit Hilfe der Menschen vor Art und durch Werbung beige Gegenstände. Mit den Besitzer_innen der Gegenstände führe ich Interviews über ihre Beziehung mit dem Gegenstand und zur Farbe Beige. Die Interviews werden aufgenommen und editiert, um Podcast, Video und Text zu gestalten, die gemeinsam mit dem Gegenstand ausgestellt werden.

 

In der ‘Beigen Kunstschule’ malt das Publikum Stillleben, um die eigene Sinneswahrnehmung mit eigenwilligen Übersetzungen der Eindrücken der Farbe Beige von den vielen ausgestellten Gegenständen zu öffnen. Die Werke werden in der Ausstellung als Dokumentation der Gegenstände integriert, bevor diese Gegenstände in ‘Beige Grit’ [‘Beige Streumittel’] eingefangen werden.

 

‚Beige Grit‘ [‘Beige Streumittel’] ist ein aus beigen Schnüren bestehendes Neuwerk, das von der Decke hängt. Daran binde ich die verschiedenen Gegenstände, um einen vereinheitlichenden Rahmen herzustellen, der den Gegenständen ihrer Verwendung entzieht und sie gleichzeitig in Begriffen fasst, die sie in ein Spiel mit Vergleichen mit anderen Gegenständen versetzt.

Mit ’Beige Essen und Trinke’ schaffe ich eine experimentelle Kochschule, wo Teilnehmer_innen Gerichte und Getränke mit den Geschmäckern und den Farbtönen von Beige entwickeln können.“ (Jette Gejl)

 

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