"Rien ne vaut que la vie, mais la vie même ne vaut rien"
Nichts ist wie das Leben, aber das Leben ist nichts
Film Screening und Diskussion: 28. März 2006, 20 Uhr
Brigitta Kuster und Mabouna II Moise Merlin
Moderation: Stefan Nowotny
Fotos Barbara Landgraf
Eine Veranstaltung von KunstRaum Goethestrasse mit eipcp und maiz im Rahmen
des Projekts translate. Beyond Culture: The Politics of Translation http://translate.eipcp.net
Die Installation beginnt reportageartig: Es wird an einem Tisch zusammen
gesprochen. Erzählt wird über den Alltag in einem Heim für
Ayslsuchende in Zerbst, Sachsen-Anhalt. Es geht um Residenzpflicht, Alltagsrassismus,
Monotonie, Perspektiv- und Ressourcenlosigkeit, von Zwangsgemeinschaften
und Freundschaften oder die Tristesse der deutschen Provinz, wo Asylbewerberheime
meistens liegen. Alle Beteiligten sind dabei Darsteller in ihrem eigenen
Films. Denn es gehört zu dessen Produktionsprinzip, alle an dieser
zu beteiligen. So wurde zwischen der Initiatorin des Films Brigitta Kuster
und Mabouna II Moise Melin sowie Arzouma Onadja, Eric Nkemassson, Oumar
Mama Salissou, Quaho Wartan und Jacques Mundi lange diskutiert, wie ein
Film über Asylbewerberheime machbar sei, ohne nur allzu bekannte
Alltäglichkeiten zu reproduzieren. Immer wieder bringt und verknüpft
der Film die Filmerzählung über das Asylbewerberheim mit Überlegungen,
wie jemand überhaupt zum Flüchtling wird. Denn das wird jemand
erst durch die Erfahrungen in den Hei-men, durch das Befolgen von Verhaltensregeln
sowie durch die dortige Aufenthaltszeit, innerhalb der sich das eigene
Denken verändern kann. Dasselbe gilt auch für die andere Seite
der Erfahrung des Films: während seiner Herstellung zum Filmemacher
zu werden. Es ist nur konsequent, dass der Film auf einer Kommentarebene
von seiner Produktion her aufgerollt wird und Fragen dokumentiert: Wer
spricht zu wem, wer stellt dar und unter welchen Umständen passiert
ein Film? Moise Merlin kommentiert seinen Wunsch, nicht noch mehr "traurige
Bilder" von diesen Heimen zu produzieren. Es wären auch die
Bilder einer aufklärerischen sozialen Reportage, die fast immer auf
einer Außenposition beruhen. Wenn Moise Merlin dann eine Feier filmt,
wird deutlich, dass solche Momente des Genießens der Gesamtsituation
nur mühsam abgerungen sind.
Brigitta Kuster, Filmemacherin, geboren 1970, lebt und arbeitet in Zürich
und Berlin. Mabouna II Moise Merlin, Künstler, geboren 1976, lebt
seit 2001 in Deutschland. Stefan Nowotny ist Philosoph und lebt in Wien.