Kunstraum Goethestrasse

::: Schwerpunkt 2005 :::

HOFFNUNG – GASTFREUNDSCHAFT
HOPE – HOSPITALITY

2005

Die Ungleichgewichte und das Wohlstandsgefälle, die das Weltprinzip des Kapitalismus produzieren, sind nicht mehr zu übersehen. Die Migrationsbewegungen derjenigen, deren Lebensgrundlage in der globalisierten Welt unter die Räder kommt, werden durch immer stärkere Restriktionen kanalisiert und verhindert. Gleichzeitig ist auch das Leben in den Zonen der GlobalisierungsgewinnerInnen kein Garant für die Teilhabe am Wohlstandsidyll.
Wir wollen vor diesem Hintergrund zwei sehr unterschiedliche und sich doch überschneidende komplexe Kategorien, die der Hoffnung und der Gastfreundschaft, in ihren Implikationen auf die soziale und politische Gegenwart untersuchen und die Frage nach zukünftigen Perspektiven dieser Kategorien stellen.
Der erste Call des KunstRaum Goethestrasse widmet sich dem Thema „Hope – Hospitality“ aus der Sicht der KünstlerInnen, freien KulturaktivistInnen, WissenschafterInnen und NGO-ProtagonistInnen und lädt im Rahmen einer Arbeitstagung im November 2004 ein, gemeinsam Perspektiven zu diskutieren, Fragen zu stellen, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen.
Mit einer Ausschreibung 2005 suchen wir Projektvorschläge und -skizzen von KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen sowie Dokumentationen zu bereits realisierten Projekten. Projektideen und Beiträge werden wir auf einer begleitenden Homepage bündeln und dokumentieren, zudem sind für 2005 der Aufbau einer mit PartnerInnen gemeinsam getragenen Projektplattform geplant, weiters die Realisierung künstlerischer Beiträge sowie Vorträge und Workshops.
Welche Rolle spielt Hoffnung – sowohl als gestaltender Faktor des Einzelnen, wie auch als Kategorie zur Produktion kollektiver Zukunftsbilder – gegenwärtig und welche kann sie in Zukunft spielen? Wer sind die Subjekte der unterschiedlichen Varianten von Hoffnung? Unter welchen Bedingungen ist Hoffnung teilbar? Welche Verbindungslinien führen von der Hoffnung zur Utopie? Zentral ist die Fragestellung: Ist eine Koexistenz der Hoffnungen von GewinnerInnen und VerliererInnen des Systems möglich? Ist die Beziehung zwischen Gast und GastgeberInnen ein besonderes Aufeinanderprallen von Hoffnungen? Welche Entwürfe eines Bleiberechts kann es geben? Wie verlaufen historisch die Linien vom „Gastrecht“, z. B. vom eingeschränkten „Gastrecht“ in den klassischen Konzeptionen eines internationalen Rechts zu den gegenwärtigen Diskussionen um Zuwanderungspolitik sowie den politischen und gesellschaftlichen Forderungen von MigrantInnen?
Konzept: Linz, August 2004
Patricia Köstring / freie Kuratorin, Kulturjournalistin, Arbeitsschwerpunkt Kulturpolitik, lebt in Wien
Susanne Blaimschein / Leitung KunstRaum Goethestrasse, Kulturwissenschafterin, lebt in Linz

 

There is no way to ignore the disparities and drastic differential in prosperity caused by the global principle of capitalism. Ever increasing restrictions try to direct or prevent the migration movements by those whose livelihood is directly endangered in the globalised world. At the same time, there is no guaranteed access to prosperity for those who happen to live in a globalisation winner zone.
Considering this background, we would like to look at two rather differing, and yet intersecting complex categories: hope and hospitality, with their implications for current social and political realities, and open up the question about future perspectives for these categories.
This first call by KunstRaum Goethestrasse on the theme “Hope – Hospitality” turns to artists, independent cultural activists, scientists / cultural theorists, as well as protagonists from NGOs, and invites to a conference planned for November 2004, in order to discuss perspectives, ask questions, and to exchange ideas and experiences.
The call for proposals, going out in 2005, looks for project proposals and rough ideas by artists and/or theorists as well as for documentation of already realized projects. All project ideas and contributions will be collected and documented on a web page. Further activities starting in 2005 include setting up a joint platform with a series of partners, realization of artists’ contributions, and lectures and workshops.
What is the role of hope, presently, and what could it be in the future – both as a creative factor for the individual and as a category in the production of collective images of the future? Who are the protagonists of different varieties of hope? What are the connecting lines leading from hope to utopia? The central question is: can the hopes of winners and losers within the system co-exist?
Does the relation between guests and hosts mean a specific collision of hopes? What are the possible drafts for a legal right to stay? What are the historic lines from the (limited) “right of hospitality” as understood in international legal conventions to the current discussions about immigration policies and the political and social claims from the part of migrants?
Concept: Linz, August 2004
Patricia Köstring / independent curator, cultural journalist with a main focus on cultural politics, lives in Vienna
Susanne Blaimschein / exhibition organizer, director of KunstRaum Goethestrasse, cultural studies theorist, lives in Linz

<kunstraum@servus.at>