Kunstraum Goethestrasse

Freischwimmen

Buchpräsentation: 24. März 2006, 19 Uhr

Einführung in die Thematik Jugend und Jugendlichkeit von Gunda Wiesner, gelesen von Martin Honzik und Conny Habbel




Fotos: Barbara Landgraf

Vorgestellt wird der Fotoband „Freischwimmen“, der sich mit dem Verhältnis von Jugend und Jugendlichkeit auseinandersetzt. In einer Zeit eines ständig vorherrschenden Jugenddiktates scheint es, als dürfte diese Lebensphase nicht mehr enden. Gerade die Generation der jetzt Dreißigjährigen unterliegt in ihrer Lebensführung diesem Anspruch: die Postadoleszenz, eine Jugend über Dreißig.
„Freischwimmen“ ist ein Bildband, der nach der „eigentlichen“ Jugend, nach den inneren und äußeren Wirren der Pubertät, dieser Altersgruppe sucht. Fotos aus den privaten Archiven, aus Fotoalben und Schuhkartons, die von Pickel im Gesicht, Zahnspangen im Mund, von Unsicherheiten und Körperlichkeiten erzählen.
Begleitet wird „Freischwimmen“ von einer Lesung literarischer Statements, alter Tagebuchauszüge und Liebesbriefen jener, die fotografisch im Fotoband „Freischwimmen“ vertreten sind. Jugendliche Zweifel, die die Generation der Postadoleszenten in ihrer eigenen Pubertät gequält haben: Wer flüstert mit wem und worüber lachen die anderen. Wer hat schon was. Und wer auf wen.
Schließlich muss man erkennen, wie die Akne aus dem Gesicht gewichen ist, sich die Fragen zum Thema Sexualität von ganz alleine beantwortet haben und die Kleidung anders geworden ist – irgendwie unauffälliger. Dass Jugend spätestens dann enden muss, wenn man sich beim Busfahren unter der Aufforderung „Jugendliche, überlasset älteren Menschen den Sitzplatz!“ irgendwie gespalten fühlt.

„28. August 1990
Ich muß etwas ganz verrücktes tun, sonst sterbe ich! In mir steckt so ein Drang – so ein Lebensdrang, und ich weiß nicht wieso! Am liebsten würde ich was machen, was die Welt ändert! Aber ich bin doch nur ein kleiner Scheißer!
Am liebsten würde ich ganz laut schrein. Oder so irgendwas.
Aber ich bin doch nur ein kleiner Scheißer, ein unwichtiger kleiner Scheißer!
Gunda“




Gunda Wiesner
Kurzbio
Seit 1998 hauptsächlich im künstlerischen Bereich tätig - allen voran mit dem Medium Video und im Bereich der performativen Kunst. Projekterealisationen mit der Künstlergruppe a.s.a.p., Von 2001 bis 2005 im Vorstand des Vereines IFEK -Institut für erweiterte Kunst Linz. Mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Nürnberg im Bereich Videoproduktion und – dokumentation für zeitgenössisches Tanztheater.
Mitgründerin und Organisatorin das internationale Videofestival „Debútnale. Festival der ersten Videos“, gemeinsam mit Karin Fisslthaler und Sabine Stuller (a.s.a.p.)

Projekte/Auswahl
Videoinstallationen, Video und Film u.a. im Museum für angewandte Kunst / Wien,
Künstlerhauspassage / Wien, WUK / Wien, Filmhauskino / Wien, Forum Stadtpark / Graz,
Steirischer Herbst / Graz, diagonale / Graz, Galerie 5020 / Salzburg, Arge Nontal / Salzburg,
Ars Electronica / Linz, Ok / Zentrum für Gegenwartskunst Linz, Trailer youki - internationales
Jugendfilmfestival 2004 / Wels, “zooming 2” und “wish eye would”, Staatstheater
Nürnberg Abt. Tanztheater / Nürnberg Performanze u.a.: “Wir sagen ja zueineander. Eine Hochzeitsperformanze” / Linz, “Madam I am Adam” / Linz, Rotterdam, “Die St. Pauls Expedition. Eine Verkehrsinselentdeckungsreise” / Linz, NÖ,”TEA-Line. Transeuropeän Art Line” / Linz, “Das Observatorium” / OK Linz, “Fruchtgenuss” / Linz

Anschauungsmaterial findet sich im Netz unter
www.expedition.nfo.at
www.tealine.nfo.at
www.asap-lab.org
www.frohsinn.nfo.at


Martin Honzik
Studium der Experimentellen Visuellen Gestaltung , Kunstuniversität Linz .
Produktionsleiter des Ars Electronica Festivals


Gunda Wiesner
Freischwimmen. Jugendfotos zwischen 1985 und 1995
100 Seiten, limitierte Auflage 70 Stück

“Verklärt blicken wir zurück in die Jahre unserer Jugend, in die Pubertät: cool waren wir, rebellisch und was auch immer. Erste Ausflüge am Moped, Cola-Rum zu Madonna und Knutschen bis die Lippen ganz offen waren. Schliesslich vergisst man schnell die eitrigen Pickel im Gesicht, die aus den Fugen geratene grosse Nase, peinliche Band-T-Shirts zu Bundfalten-Schnürlsamt-Hosen. Dass beim Küssen die langen Haare im Weg waren und man ganz schnell wieder das ganze Cola-Rum im Strassengraben verteilte. Verwirrt waren wir irgendwie innerlich wie äusserlich.”

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