::: 20. Jänner 2005 :::
Robert Foltin: Und wir bewegen uns doch.
Soziale Bewegungen in Österreich
Edition Grundrisse, Wien 2004
Buchpräsentation, Lesung, Diskussion mit Robert Foltin: Donnerstag, 20. Jänner, 19.30 Uhr/tuesday, january 20th, 7.30 pm
Immer wieder wird - je nach Standpunkt - beklagt oder festgestellt, dass
linke Bewegungen in Österreich nie ein größeres Ausmaß
erreicht hätten. Trotzdem veränderte sich die institutionelle
Struktur wie auch Sichtweise und Lebensverhältnisse der Bevölkerung,
angestossen und beeinflusst durch soziale Auseinandersetzungen. Internationale
Einflüsse waren zwar wichtig, aber auch spezifisch östereichische
Ereignisse bewirkten Veränderungen.
Der Autor zeichnet die Bewegungen der letzten Jahrzehnte nach: von den
Revolten des Lebensstils durch Musik und Drogen über „1968“,
den Feminismus, die Schwulen- und Lesbenbewegung, die Besetzung der Wiener
Arena, den Widerstand gegen das AKW Zwentendorf und das Wasserkraftwerk
Hainburg, die Proteste gegen die Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten
und die Studierendenstreiks 1987 und 1996 bis hin zur Bewegung gegen die
ÖVP-FPÖ-Regierung ab dem Februar 2000, die eine für Österreich
unerwartete Intensität entwickelte. Aus dem Blickwinkel der emanzipatorischen
Bewegungen entwirft der Autor ein Bild der gesellschaftlichen Veränderungen
und eine Analyse der Transformation der herrschenden Strukturen –
nicht nur in Österreich.
Robert Foltin, Jahrgang 1957, studierte Sprachwissenschaft und Philosophie
und war jahrelang aktiv in der Sponti- und autonomen Szene in Wien und
Salzburg. Heute ist er Mitherausgeber und Redakteur der Grundrisse - Zeitschrift
für linke Theorie & Debatte.
Rezensionen:
Robert Foltin kennt/nennt sie alle: die Wiener AktionistInnen und Valie
Export, die 68er und den Spartakus, die K-Gruppen, die Trotzkis, Spontis,
Haus- und AubesetzerInnen, die KünstlerInnen, die Kindergruppenkinder
und andere AnarchistInnen, die Hippies, die SteinewerferInnen, die KulturarbeiterInnen,
das ASF, kurz: die Verführten und die VerführerInnen. ... Mit
Sicherheit wird das Buch innerhalb kürzester Zeit zum Standard- und
Nachschlagewerk für radikale österreichische Bewegungsgeschichte
werden, mit Sicherheit auch gerechtfertigt.
KUPF Zeitung Nr.109/04
Zwar gibt es mittlerweile schon eine Reihe von Büchern, die mehr
oder weniger gelungene Momentaufnahmen unterschiedlichster Episoden sozialer
Bewegung in Österreich liefern ..., eine Darstellung der Bewegungsgeschichte,
die ... Ereignisse und Bewegungen in einen Gesamtzusammenhang stellt und
dabei auch über den heimischen Tellerrand blickt, war aber tatsächlich
überfällig. ... Entsprechend ist der Wert der Bemühungen
Foltins gar nicht hoch genug einzuschätzen.
Malmoe Nr.23/04
Soziale Bewegungen in Österreich? Klingt ein bisschen nach Widerspruch,
ist es aber nicht. Robert Foltin, selbst jahrelang in der autonomen Szene
aktiv, hat eigene Erfahrungen und jahrelange Recherche zum Thema soziale
Bewegungen in ein Buch zusammen fließen lassen. ... Wer eine an
den allzu bekannten traditionellen AkteurInnen (wie Parteien oder Gewerkschaften)
orientierte Analyse erwartet, wird allerdings enttäuscht werden.
Foltin beschreibt im Gegenteil die Geschichte der sozialen Bewegungen
aus der Perspektive der Vielfältigkeit ihrer TrägerInnen heraus.
Bewusst wird der ansonsten so vertraute Blick weg von den Institutionen
und hin zu den mannigfaltigen Ausdrucks- und Protestformen gelenkt. ...
Beeinflusst von Hardt/Negris „Empire“ werden so unterschiedliche
Bewegungen wie die von 1968, gegen Hainburg oder Zwentendorf, die Arena-Besetzung
oder die Massenbewegung gegen die schwarz-blaue Bundesregierung immer
in einen Gesamtkontext kapitalistischer Transformation gestellt.
Progress Nr.07/04
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