Kunstraum Goethestrasse

::: 17. - 28. Februar 2004 :::

CITYLAYERS

Rauminstallation von Ursula Witzany

fŸr "Lichtbringerin ~ Ein NachtstŸck"

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 17 – 19 Uhr. 17. - 28.2.2004

Der Kunst Raum Goethestrasse wird für kurze Zeit zu einem Ort, wo Theater, Performance und Installation zu einer Einheit werden. Drei verschiedene Ebenen, der Außenraum, der öffentliche Innenraum und der Privatraum bilden die Basis für die mehrschichtige Installation Citylayers.

Citylayers

An der Außenseite der breiten Glasfront des Galerieraumes sind mit Sandstrahlbuchstaben kurze Textpassagen angebracht, die die Stadt und ihre BewohnerInnen auf anderen Wahrnehmungsebenen als der visuellen beschreiben:

1. Ich suchte die Sonne an anderen Orten: im Flimmern ihrer Strahlen, im Echo, das dem Licht gleichermaßen zueigen ist. Licht gebar neues Licht, rief sich von Fenster zu Fenster von einem Stückchen Mauer zur Wolke hinauf, drang in mich ein. Dieser Zauber ließ auch bei Anbruch der Nacht nicht nach. ...war der Augenblick gekommen, ins Bett zu gehen, fand ich den Zauber im Dunkel wieder. Dunkel – auch das war für mich Licht...ein Licht, das langsamer dahinfloss.

2. Die Strasse ist ein Labyrinth von Geräuschen. Jeder Ton wird zehnmal zurückgeworfen – von den Mauern der Häuser, den Vordächern der Geschäfte, den Gittern der Abwasserkanäle, dem massigen Körper der Busse, den Baugerüsten und Laternenpfosten – und erweckt falsche Bilder.

3. Das Licht breitet seine Farben auf Dinge und Wesen. ... die Leute, denen ich auf der Straße begegnete oder die ich anstieß, sie alle waren in einer Weise farbig gegenwärtig.

4. ...Vor meinem geistigen Auge tauchen Bilder von Männern und Frauen ohne Kopf und ohne Finger auf. Jene Dame im Sessel ... schrumpfte plötzlich zu ihrem Armband zusammen, sie wurde Armband. Da gab es Leute deren ganzes Gesicht die Zähne beherrschten, und Leute, die in ihrer Harmonie aus Musik zusammengesetzt schienen...

aus: Jacques Lusseyran,
Das wiedergefundene Licht
Klett Cotta Verlag

Ein dunkler Samtvorhang, der sich über die gesamte Fensterfront der Galerie zieht, trennt den lauten Außenraum vom Innenraum. Er funktioniert wie ein Theatervorhang. Klarheit, wo die Bühne sein sollte gibt es dagegen nicht. Zum einen wird die laute Straße mit ihrer nächtlichen Beleuchtung zur Bühne zum anderen befinden sich die Zuseher in der Auslage und werden von den Passanten betrachtet.
Zu den Öffnungszeiten der Galerie ist der Vorhang aufgezogen und lässt von außen den Blick ins Innere frei.

Im Inneren ist der Raum partiell dunkel eingefärbt. Eine Fläche von ca. 1,5 x 1 m strahlt während der Öffnungszeiten in einem gedämpften Rot und wird hinterleuchtet. Mittels Video werden auf diese Fläche Bilder projiziert, die eigentlich nur mit geschlossenen Augen wahrgenommen werden können, sogenannte Netzhautbilder. Sie sind in ein eigentümliches Dunkel getaucht, durch die Bewegung der Pupillen während des Sehens hinterlassen sie vielschichtig versetzte Bilder, die sich langsam auflösen, indem sich die Netzhaut regeneriert.

Zwanzig dunkle Schaumstoffkuben, die als Sitzgelegenheiten dienen, bilden mit der Bodenmarkierung, wo sie während der Performance positioniert werden müssen eine Art Stadtmodell.

Der hintere obere Teil des KunstRaum vermittelt den Eindruck eines privaten Raumes. Durch vielschichtig aufgehängte Wohnzimmerstore, die eine Art Labyrinth bilden, gelangt man in einen Raum, in dem sich häusliches Leben abspielen könnte. Abgewohnte Polstermöbel, ein Schränkchen, Tapetenwände...vermitteln fragmentarisch diesen Eindruck. Bilder an den Wänden, scheinen aufs erste in diese Atmosphäre eingebunden. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass eines der beiden Bilder nur aus Licht „gemalt“ ist, das andere ist so dunkel, dass man länger hinsehen muß, um zu erkennen, dass es sich um ein Abbild einer Lichtquelle handelt.

Im vom KunstRaum getrennten Auslagenteil ist eine eigenständige Installation angebracht. Die Fensterscheibe wird zur Leinwand für ein Schattentheater. Ein Modell einer mechanisch rotierenden Stadt, das sich im Wechselspiel verschiedener Lichtquellen verdoppelt, über die Leinwand ausbreitet und wieder zurückzieht nimmt bezug auf verschiedene Wahrnehmungsweisen einer pulsierenden Stadt, die ständig ihr Erscheinungsbild verändert, je nachdem, welcher ihrer Aspekte in den Vordergrund rückt.

Biographie:

Ursula Witzany

<kunstraum@servus.at>