Old Boys`Toys


Eröffnung Donnerstag, 17. Oktober 2002, 19:30 Uhr

Ausstellungsdauer: 18. Oktober 2002 bis 31. Oktober 2002

Konzert : Villalog, "electro-kraut-dub", Do 31.10.2002 ab 21 Uhr

listen: http://www.villalog.com/listen.html

Öffnungszeiten : Di bis Fr 14:00 bis 18:00 Uhr und nach telef. Vereinbarung
technican

Michael Schmid / Christoph Scholz arbeiten seit 1999 als Kollaborativ. In ihren prozesshaften und langfristig angelegten Projekten nutzen Sie die diskursive Verschränkung der Felder ‚Pop' und ‚Kunst`, um auf der ‚Plattform Kunst' spezielle Momente des Pop zu verhandeln.

"Old Boys' Toys" (Technologie als maskuliner Code in der elektronischen Popmusik) ist ein mehrstufiges Projekt, das die Konstruktion von Männlichkeit anhand eines Umgangs mit Technik untersucht. Ihre Arbeitsstrategien umfassen die Begriffe Forschung (Recherche, Analyse) und Vermittlung (Diskurs und Präsentation).

Ausgehend von subjektiver Technikfaszination, open source Strategien und do-it-yourself-communities in Zusammenhang mit Musiktechnologie versuchen sie der Konstruktion Mann anhand des Begriffs Technik näher zu kommen. Die Fokussierung auf männlich konnotierte Tätigkeits- und Wissens-"Kompetenzen" führt zur Frage nach den Mechanismen der Distinktion (im Sinne der Bourdieuschen Kapitalsorten) konkret am Mythos Powerbook.

Das Apple Powerbook G4 ist innerhalb der elektronischen Musik zu einem wichtigen Medium der Klangerzeugung geworden. In der klassischen Musik waren es Namen wie Bechstein oder Stradivari, die neben Interpreten zu Berühmtheiten wurden, in Zeiten von Techno heißen die Instrumente Geräte, und ihre Namen sind: Technics 1210 MK2, TB 303 oder TR 909. Viele dieser Geräte steckten durch ihre signifikanten Sounds ganze Genres ab. Die Geräte wurden zum Mythos. Die Frage nach der Konstruktion des Mythos bleibt in Schmid/Scholzs Arbeit offen. Vielmehr stellen sie die Frage, wie es durch diesen Mythos zu Mechanismen der Ausgrenzung kommt. Für Leute außerhalb der sog. 'Szene' existieren einige Barrieren. Man muss den Mythos kennen, um daran partizipieren und Teil der Szene werden zu können, andererseits muss man, um sich am Spiel der Differenz der Zeichen und deren Kombination beteiligen zu können, die Zeichen und deren Produktion (zumindest teilweise) kennen. (Man nennt dieses Spiel auch 'Pop'.)

Realisiert wird das Ganze zum einen in einer Präsentation von vier seriell angeordneten Powerbooks im Schaufenster der Galerie. Angelehnt an eine kommerzielle Präsentation von Ware wird versucht, den Mehrwert der Powerbooks (in unserem Fall der Mythos Technik) auf eine subtile Weise überzuformulieren. Zum anderen werden im Inneren der Galerie do-it-yourself Powerbook-Clones aus Pappe als take-away-multiples zum selber basteln angeboten. Der Versuch besteht darin ein einfaches Partizipieren am Mythos, zumindest auf symbolischer Ebene, zu ermöglichen. [fem.

Theorie: Adaptionsstrategien (Judith Butler), Texte zur Kunst, vorletzte Ausgabe, nicht die zum Thema Raum]

Die Ausstellungsarchitektur im Inneren der Galerie ist sehr rudimentär gehalten und macht den Eindruck einer temporären (Hilfs-) Konstruktion, die im übertragenen Sinne einen Verweis auf die Konstruktion des Mythos Powerbook darstellen könnte. Das do-it-yourself Powerbook aus Pappe ist auf einem Sockel präsentiert, dahinter der Bastelbogen als Bild an der Wand, daneben die Bastelbögen als Multiples.

Als dritter Teil der Schau ist eine Bühne installiert. Passend zu Schmid/Scholzs Konnotation des Begriffes ‚Institution' dient sie als flexible Plattform, die von verschiedensten Feldern genutzt werden kann. Am Ende der Ausstellung gibt die Wiener Techno-Formation Villalog ein Konzert auf der von den Künstlern installierten Plattform. Durch die verschiedenen narrativen Formate (Ausstellung/Diskussion/Konzert) und die laufende Umdeutung der Konnotation der Plattform zwischen Bühne, diskursiver Ort und Sockel im klassischen Sinne provoziert das Projekt ein Spiel der Zeichen und ihrer Rezeptionsmöglichkeiten.

Kurzbiografien

Michael Schmid
2001 Ausstellung 'artifacts shared the assumption that ev' Kunstraum Goethestrasse Linz (im Rahmen der Gruppenschau 'best of 01')
2001 Ausstellung 'artifacts shared the assumption that ev' Secession Wien (im Rahmen der Reihe 'Das Experiment'), kuratiert von Dorit Margreiter
1999-2002 im Team mit Christoph Scholz
1999-2002 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Wien (Konzeptionelle Kunst, Renée Green)
1997-2002 Studium an der Kunstuniversität Linz (Bildende Kunst, Klasse Erwin Reiter / Renate Herter)
1984-1997 Schulbildung (AHS)
1979 geboren in Oberösterreich


Christoph Scholz
2001 Ausstellung 'artifacts shared the assumption that ev' Kunstraum Goethestrasse Linz (im Rahmen der Gruppenschau 'best of 01')
2001 Ausstellung 'artifacts shared the assumtion that ev' Secession Wien (im Rahmen der Reihe 'Das Experiment'), kuratiert von Dorit Margreiter
1999-2002 im Team mit Michael Schmid
1999-2002 Studium an der Kunstuniversität Linz (Institut für Bildende Kunst, Klasse Erwin Reiter / Renate Herter)
1994-1996 Golfprofessional (international)
1980-1993 Schulbildung (Gymnasium)
1974 geboren in Kaiserslautern


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